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Theater Lübeck Bernsteins Mass

Lange sah man auf Stadt- und Staatstheater-Bühnen keine derart aufwändig durchchoreografierte Aufführung: Das Theater Lübeck begeistert mit musikalisch fetziger und szenisch peppiger Totentanz-Vision von Leonard Bernsteins (zu) selten gespielter "Mass".

Lübecker Totentanz: Der Celebrant (Gerard Quinn) mit dem Street-Chorus und den vereinigten Chören.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Das zunächst als blasphemisch kritisierte Auftragswerk, 1971 zur Eröffnung des Kennedy Center in Washington D.C. entstanden, thematisiert als veritables Musiktheater aller Stilarten die Feier einer lateinischen Messe, die einem Priester in der Auseinandersetzung mit den Gläubigen und den eigenen Glaubenszweifeln aus den Händen gleitet. In Lübeck haben der Regisseur Tom Ryser, sein Ausstatter Stefan Rieckhoff und die Choreografin Lillian Stillwell Bühne und Zuschauerraum in einen Musical-Cast verwandelt, der mit lebendig gewordenen Skulpturen (als Tänzer), untoten Gerippen und den rasent bewegten Chormassen (Vocalino, Phemios Kammerchor, Nordelbischer Knabenchor, Chor- und Extrachor des Theaters) die Lübecker Backsteingotik der Marienkirche als Alptraum- und Heilsbild herbeiimaginieren.

 Im frechen "Street-Chorus", so etwas wie ein vielköpfiges Solisten-Pendant zu den verfeindeten Jugendgangs in Bernsteins "West Side Story", zeigen vor allem die tollen Stimmen der drei schwarzen Sängerinnen Caroline Nkwe, Elizabeth King und Adi Wolf, aber auch Alice Susan Hanimyan, was Gerard Quinn als Celebrant allenfalls noch fehlt, obwohl er die große Partie des Gottesmannes und Kirchenzweiflers eindrucksvoll differenziert singt und verkörpert: der Blues.

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