Schöner wohnen im Krankenhaus
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Die Klinik der Zukunft Schöner wohnen im Krankenhaus

Triste Dreibettzimmer mit kahlen Wänden, spartanische Bäder und windelweiche Matratzen: Das war einmal. Immer mehr Kliniken bemühen sich um Privatsphäre, Komfort und Wohnlichkeit. Denn ein positives Umfeld trägt maßgeblich zur Genesung bei.

Hotelatmosphäre zur besseren Genesung: In einigen Kliniken werden die Krankenzimmer der Zukunft bereits getestet.

Quelle: Asklepios

Berlin/Bad Griesbach, München. Ein Lied gibt dem Patientenzimmer der Zukunft seinen Namen, ein Song aus dem Jahr 1969: “In the year 2525“ hatten die Entwickler der Initiative Green Hospital im Ohr, als sie nach zweijähriger Forschungsarbeit nach einem Titel für ihr Modellprojekt suchten: Ein Zimmer, in dem kranke Menschen medizinisch perfekt versorgt werden und sich zugleich rundum aufgehoben fühlen. Zukunftsmusik? Womöglich wird “Room 2525“ schon bald in Serie gehen.

Der Prototyp des nahezu keimfreien, mit modernster Technik ausgestatteten Krankenhauszimmers ist bereits mehr als ein Jahr in Betrieb und “ständig belegt“, sagt Wolfgang Sittel, Leiter Konzernbereich Architektur und Bau bei Asklepios. Patienten der Asklepios Klinik St. Wolfgang im bayerischen Bad Griesbach testen und bewerten das Zimmer derzeit. Schon jetzt aber ist der Ausbau sämtlicher Privatstationen des Krankenhausbetreibers in der Planung.

Warme Farben, edle Materialen in italienischem Design, gedämpfte Beleuchtung, ein Bett breiter als gewöhnlich, sanfte Musik aus unsichtbaren Lautsprechern bestimmen indes das Bild des Privatzimmers in Bad Griesbach: Fast möchte man meinen, wer hier im “Room 2525“ einquartiert ist, mache Urlaub. Tatsächlich war der besondere Wohlfühlcharakter den Entwicklern des Zimmers wichtig. “Während eines Klinikaufenthaltes möchten Patienten in einem fachlich kompetenten Umfeld untergebracht sein, das gleichzeitig ihr emotionales und körperliches Wohlbefinden fördert. Komfort, Sicherheit, Individualität, Schutz der Privatsphäre und aus der Hotellerie gewohnte Serviceleistungen rücken zunehmend in den Fokus“, weiß Wolfgang Sittel. “Dies trägt auch zu einer schnelleren und letztlich besseren Genesung bei“, ist Sittel überzeugt.

Maximale Keimfreiheit

Im Mittelpunkt der Entwicklung, an der insgesamt 20 Partnerunternehmen beteiligt waren, standen natürlich die medizinische Versorgung sowie ein Maximum an Hygiene. Das Bundesgesundheitsministerium geht derzeit davon aus, dass sich hierzulande jährlich bis zu 600 000 Patienten mit Krankenhauskeimen infizieren. Bis zu 15 000 Menschen könnten Schätzungen zufolge an einer solchen Infektion sterben. Laut einer repräsentativen Umfrage der Asklepios-Kliniken aus dem Jahr 2015 haben schon heute zwei Drittel der Deutschen Angst vor einer Ansteckung im Krankenhaus. Zum Vergleich: Weit weniger Menschen fürchten sich vor Behandlungsfehlern, verunreinigtem Operationsbesteck oder Komplikationen bei einem chirurgischen Eingriff.

Im “Room 2525“ wurden deshalb ausschließlich antibakterielle Materialen oder solche, die sich bestens desinfizieren lassen, verbaut. Das behindertengerechten Badezimmer ist, wie üblich, gefliest – aber ohne Fugen, in denen sich Schmutz und mithin Keime sammeln könnten. Offen liegende Kabel und Leitungen sind im gesamten Zimmer nicht zu sehen. Auf Lautsprecher wurde verzichtet und stattdessen die Zimmerdecke zum Klangkörper umfunktioniert. Die Lampen sind plan in den Decken verbaut und sämtliche Möbel derart angebracht, “dass es keine typischen Staubecken mehr gibt“, erläutert Wolfgang Sittel. Das erleichtere den Reinigungskräften die Arbeit. Und erhöhe den Schutz der Patienten vor multiresistenten Keimen.

Auch im Berliner Virchow-Klinikum der Charité bemüht man sich, der Intensivstation ihren Hightech-Schrecken zu nehmen - unter anderem durch eine diskrete Platzierung von Apparaten und ein Beleuchtungskonzept, das natürlichem Licht nahe kommt.

Quelle: ZMD Server

Auch anderswo in Deutschland wird an Patientenzimmern gebaut, die den Menschen die Angst vor der kühlen Krankenhausmaschinerie nehmen und den Heilungsprozess verbessern. Zwei innovative, von Architekten und Medizinern gemeinsam entwickelte Intensivzimmer sind bereits seit drei Jahren am Campus Virchow-Klinikum der Charité in Berlin in Betrieb. Die vielen Kabel, Schläuche und Geräte sind hinter Holzpaneelen versteckt, an der Zimmerdecke simuliert ein riesiger LED-Bildschirm den Tag-und-Nacht-Rhythmus, der Geräuschpegel wurde deutlich gedämmt. Denn schon heute ist der Einfluss von Licht und Lautstärke auf Intensivpatienten wissenschaftlich belegt.

Wie genau sich diese neue Raumkonstellation jedoch auf die Genesung eines Schwerkranken auswirkt, ob beispielsweise die Häufigkeit eines stressbedingten Deliriums abnimmt, das wollen die Berliner im Rahmen der begleitenden Forschungsstudie “Parametrische (T)Raumgestaltung“ unter Leitung von Claudia Spies herausfinden. Das Ergebnis soll noch in diesem Sommer veröffentlicht werden, so Studienkoordinator Alawi Lütz. Schon jetzt könne man aber sagen, “dass die Erfahrungen positiv sind“. Unter anderem habe das Pflegepersonal beobachtet, dass weniger Schmerzmedikamente eingesetzt würden, berichtet Lütz.

Absehbar nur für Privatpatienten

Der geschützte Raum hat auch für Sylvia Leydecker bei ihrer Arbeit oberste Priorität. Die Kölner Innenarchitektin beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren intensiv mit der Einrichtung von Krankenhauszimmern. Für den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) entwarf sie vor einigen Jahren den Prototyp “Wahlleistungsräume“. Im Mai dieses Jahres erscheint ihr neues Buch mit dem Titel “Patientenzimmer der Zukunft“, in dem sie sich mit innenarchitektonischen Anforderungen und Ansprüchen an eine moderne Krankenhauskultur auseinandersetzt.

Offen spricht Leydecker darüber, dass Zimmer wie etwa “Room 2525“ wohl nie zur Standardausstattung in Kliniken gehören werden. “Das ist eine harte kaufmännische Angelegenheit“, sagt sie. “Solche Zimmer werden wohl vorerst Privatpatienten vorbehalten sein, da sie entsprechend abgerechnet werden können.“

Bei allem Anspruch, eine möglichst angenehme Umgebung für die Patienten zu schaffen, warnt Leydecker davor, das Design überzustrapazieren und “vor lauter Hotelatmosphäre die Hygiene aufs Spiel zu setzen“. Bei ihren Entwürfen achtet Leydecker deshalb besonders auf “das gekonnte Zusammenspiel aller Komponenten“, wie etwa Farbe, Form und Material. Da reiche es nicht, einfach eine Liste abzuarbeiten, ein bisschen mit Farben zu spielen und ein schönes Bild an die Wand zu hängen.

In den “Adaptive Healing Rooms“ auf der Intensivstation der Uniklinik Münster werden nahezu alle Geräusche ausgeblendet, die die vielen Geräte machen

Quelle: dpa

Nicht zuletzt wegen technischer Herausforderungen und hygienischer Vorschriften sei ein Krankenzimmer doch deutlich komplexer. “Man muss sich immer auch vor Augen führen, wie der Mensch sich in dem Zimmer bewegen kann“, sagt die Innenarchitektin. Und auch die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal müssten genau berücksichtigt werden. “Hightech allein reicht nicht als Gesamtkonzept.“

So ergab eine Studie des von der Bertelsmann-Stiftung initiierten Patientenleitfadens “Weisse Liste“ gemeinsam mit der Universität Witten/Herdecke, dass sich in erster Linie die Qualität der Versorgung im Krankenhaus sowie eine gute Personalausstattung auf die Zufriedenheit der Patienten auswirken. Dass diese, wie oft behauptet, vornehmlich durch äußere Faktoren wie “Hotelleistungen“ beeinflusst würde, bestätigte sich bei der Untersuchung nicht.

Modernste Technik für Arzt und Patient, gepaart mit höchstmöglicher Keimfreiheit, war denn auch den Machern des “Room 2525“ wichtig. Über ein vollautomatisches System lassen sich mittels eines Tablets Fenster öffnen und schließen, es lässt sich Licht ein- und ausschalten, das Bett hoch- und runterfahren und sogar der Fernseher bedienen. Letzterer dient den Ärzten auch als Monitor, auf dem Patientendaten wie Röntgenbilder oder Untersuchungsergebnisse aufgerufen werden können. Dies trage dem Wunsch vieler Patienten nach mehr Intimsphäre und gleichzeitig mehr Transparenz Rechnung, sagt die ärztliche Direktorin der Klinik St. Wolfgang, Petra Heizmann.

Privatsphäre trotz ständiger Beobachtung

Auch im Uniklinikum in Münster (UKM) arbeitet man am Patientenzimmer der Zukunft. Neben der Charité richtete das Haus als eines der ersten Krankenhäuser bundesweit im Jahr 2015 zwei sogenannte “Adaptive Healing Rooms“ ein. Die Vier-Bett-Intensivzimmer sind mit einem ähnlichen Licht- und Alarmkonzept wie in Berlin ausgestattet, um einen “geregelten“ Tag-Nacht-Rhythmus zu erzeugen und die permanente Geräuschkulisse zu minimieren. “Alarmhygiene“ nennt Björn Ellger diese neue Technik, die letztlich auch der Patientensicherheit diene.

“Unwichtige Informationen werden jetzt gefiltert und gedämmt“, erklärt der Leiter der operativen Intensivmedizin an der Uniklinik Münster. “Gerade auf Intensivstationen, wo der Mensch eine Grenzerfahrung durchmacht, ist eine angenehme Umgebung wichtig.“ Der Oberarzt kennt die Ängste der Patienten: “Die Sorge, hilflos der Technik ausgeliefert zu sein und die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren, ist groß.“ In Situationen, in denen der Patient unter ständiger Beobachtung stehen muss, sei es deshalb besonders wichtig, “für ein wenig Privatsphäre zu sorgen“. Zum Raumkonzept in Münster gehört daher auch eine Multimediainstallation, über die der Patient Bilder von vertrauten Situationen zu sehen bekommt.

Aber auch jenseits solcher Leuchtturmprojekte wäre mehr Geborgenheit möglich. “Ein Krankenzimmer mit wohnlichem Charakter muss auch mit wenigen Mitteln machbar sein“, fordert Innenarchitektin Leydecker. Sie wünscht sich, dass eine Wahlleistung wie das “Patientenzimmer der Zukunft“ ganz normal wäre. “Dazu aber müssten die Rahmenbedingungen geändert werden. Und da ist letztlich die Politik gefordert.“

Blick in die Zukunft: Von der Klinik zum Gesundheitsnetzwerk

Das Krankenhaus der Zukunft: Für Magda Rosenmöller bedeutet das vor allem weniger Krankenhaus. “Wir brauchen mehr Qualität, Effektivität und Patientenorientierung im Gesundheitssystem. Die Güte eines Krankenhauses wird sich künftig nicht mehr nach seiner Größe und seinem Leistungsspektrum bemessen, sondern nach seiner Führungsrolle und der Passgenauigkeit, mit der es sich in eine komplexe Gesundheitsinfrastruktur einfügt“, sagt die Professorin für Gesundheitsmanagement. Rosenmöller lehrt an der IESE Business School und ist Mitherausgeberin einer viel beachteten Studie zur Zukunft des europäischen Krankenhauswesens bis zum Jahr 2030.

Ginge es nach ihr, wären Krankenhäuser nicht mehr die allmächtigen Zentren der medizinischen Versorgung, sondern Partner in einem eng geknüpften Gesundheitsnetz, in das auch niedergelassene Ärzte, ambulante Pflegedienste und Prophylaxeprogramme, etwa an Schulen und Kindergärten, gleichberechtigt eingebunden sind – mit dem Ziel, Gesundheitsvorsorge zu stärken, Kliniken von Basisversorgung zu entlasten und Krankenhausaufenthalte auf ein zeitliches Minimum zu begrenzen.

Als wesentliche Herausforderung für die Krankenhäuser von morgen nennt Rosenmöller vier Faktoren: die alternde Gesellschaft, die fortschreitende Technisierung des Medizinbetriebes, gestiegene Patientenansprüche und – so paradox es zunächst klingt – den medizinische Fortschritt.

Künftig werden ärztliche Sprechstunden in Grenzen auch aus der Ferne möglich sein.

Quelle: iStockphoto

„Letzterer hat dazu geführt, dass sich binnen weniger Jahrzehnte die Prognosen für etliche Erkrankungen drastisch verbessert haben“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin. „Patienten, die noch vor einigen Jahren als todgeweiht galten, beispielsweise solche mit HIV oder unheilbaren Tumorerkrankungen, haben heute oftmals eine lange Lebensspanne vor sich.“ Entsprechend steige die Zahl von versorgungsintensiven Langzeitpatienten – ebenso wie das Aufkommen an betagten, teilweise dementen Patienten, die ebenfalls regelmäßiger und langfristiger medizinischer Betreuung bedürften.

„Viele dieser Patienten können ambulant oder zu Hause versorgt werden, sie brauchen kein Krankenhaus, aber können dennoch von den medizinischen und wissenschaftlichen Kompetenzen profitieren, die etwa Unikliniken zu bieten haben“, erläutert Rosenmöller – und betont deshalb die Notwendigkeit engerer Kooperationen von niedergelassenen Ärzten und lokalen Gesundheitseinrichtungen mit medizinischen Exzellenzzentren: „Das Wissen darf nicht im Elfenbeinturm bleiben – und der Hausarzt muss bereit sein, sich in die Karten gucken zu lassen“, fordert Rosenmöller.

Eng mit dem medizinischen Fortschritt verknüpft sind die rasanten Entwicklungen in der Medizintechnik. Doch je umfassender und mächtiger die Werkzeuge, die Ärzten zur Verfügung stehen, desto größer die Risiken, sie falsch oder nicht sinnvoll einzusetzen – etwa, um die horrenden Anschaffungskosten wieder hereinzuholen. Allein wegen des Kostendrucks sei es wichtig, technische Ressourcen flexibler miteinander zu teilen, anstatt einen Prestigewettstreit um die modernste Ausstattung zu führen: „Nicht jedes Kreiskrankenhaus muss den ganzen Apparatefuhrpark vorhalten“, sagt Rosenmöller.

Fünf große Stellschrauben bestehen laut IESE-Studie, um das Gesundheitssystem an die akuten und sich abzeichnenden Herausforderungen anzupassen und zukunftsfähig zu machen:

I: Multidisziplinäre Exzellenzzentren

Wenige führende Kliniken behalten ihre Schlüsselrolle, konzentrieren sich aber stärker auf das, was sie am besten können: um Spitzenleistungen in der Forschung und bei der Weiterentwicklung komplexer Heil- und Therapiemethoden. Routineeingriffe und Aufgaben, die zur medizinischen Grundversorgung gehören, geben die Exzellenzzentren an kleinere Häuser oder ambulante Einrichtungen ab – und unterstützen diese zugleich mit Wissen und Know-how. Dadurch soll eine kostengünstigere Basisversorgung möglich werden, ohne dass die Behandlungsqualität leidet.

II: Patientennähere Grundversorgung

Kommunale Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und ambulante Pflegedienste übernehmen stärker als bisher die medizinische Grundversorgung – was chirurgische Routineeingriffe und die Betreuung chronisch Erkrankter einschließt. Die medizinischen Grundversorger arbeiten eng vernetzt zusammen, betreuen Patienten institutionsübergreifend und teilen sich kostspielige technische Infrastruktur. Durch eine enge Verzahnung von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern sollen die Liegezeit im Krankenhaus verkürzt und die Nachsorge verbessert werden.

III: Vorsorge- statt Versorgungsmedizin

Akutversorgung verliert zunehmend an Bedeutung, präventive Medizin wird hingegen immer wichtiger. Genombasierte Diagnoseformen und Big-Data-gestützte Auswertungen von Fallgeschichten werden die Vorhersage individueller Erkrankungsrisiken weiter präzisieren – und so umfassende und maßgeschneiderte Vorsorgemaßnahmen ermöglichen. Die Rolle des Arztes wandelt sich dabei von der eines Heilers hin zu der eines Gesundheitscoaches. Präventionsprogramme an Schulen und in Kindergärten werden zu einem integralen Bestandteil des Gesundheitssystems.

IV: Der Patient wird zum Partner

Medizinischer Fortschritt ist nur dann echter Fortschritt, wenn der Patient unmittelbar profitiert. Schon bei der Entwicklung neuer Medizinprodukte und Therapiemöglichkeiten sowie den Designs von Krankenhäusern und Praxen werden Patienten einbezogen und ihre Bedürfnisse bestmöglich berücksichtigt. Der Strukturwandel im Gesundheitssystem – Gesundheitsvorsorge und die Kosten für medizinische Leistungen liegen zunehmend in der Verantwortung der Patienten –, aber auch die immer leichtere Verfügbarkeit von Gesundheitswissen haben dazu geführt, dass Patienten heute anspruchsvoller auftreten. „Viele machen sich schon im Internet über Behandlungsmöglichkeiten schlau und kommen mit gezielten Fragen und klaren Vorstellungen zur Therapie in die Praxis oder ins Krankenhaus“, sagt Gesundheitswissenschaftlerin Magda Rosenmöller.

Der „mündige Patient“ will stärker in die Behandlung einbezogen werden und betrachtet das Gesundheitssystem, in das er viel einzahlt, zunehmend als eine Art Serviceleistung. Eine kürzlich veröffentlichte Patientenbefragung des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen ergab, dass sich 97 Prozent aller Krankenhauspatienten vor der stationären Aufnahme über ihre Krankheiten informiert haben – mehr als zwei Drittel davon auch aus dem Internet. Ein Umstand, der Ärzten die Patientenaufklärung nicht nur erleichtert – denn Google-Wissen kann trügerisch sein.

V: E-Health schafft mehr Flexibilität

Die Digitalisierung erschließt der Medizin vielfältige Möglichkeiten: Videosprechstunden, die ab 1. Juli in Deutschland zur Regelversorgung gehören, können Patienten mit gewissenhaft abgeklärtem Gesundheitsstatus den Gang in die Praxis ersparen – bergen aber auch das Risiko leichtfertiger Ferndiagnosen. „Deshalb ist es wichtig, dass genauestens geregelt ist, was in solchen Telesprechstunden erörtert werden darf“, sagt Gesundheitsexpertin Rosenmöller.

Weitere Anwendungsgebiete der sogenannten E-Health ist etwa die Fernüberwachung chronisch Kranker über Sensoren und mobile Anwendungen. Ärzte können sich ortsunabhängig per Videokonferenz beraten. Befunde können für alle Beteiligten – auch den Patienten – online verfügbar gemacht werden. Gesundheits-Apps und Fitnesstracker liefern Körperdaten, die Ärzten als Anhaltspunkte dienen können – und den Patienten als Ansporn für einen gesünderen Lebensstil.

Von Anja Luckas

Berlin/Bad Griesbach 48.456007 13.1939731
Berlin/Bad Griesbach
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